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​Karl-Heinz Land: „Die DSGVO bedeutet eine kalte Enteignung des Mittelstands“

Pressemitteilung   •   Mai 24, 2018 14:45 CEST

Karl-Heinz Land: KI und Blockchain sichern die Datensouveränität.
  • KMU verlieren einen Großteil ihrer Investitionen in Kundendatenbanken und Direktmarketing
  • Der einzelne Bürger wird im „Internet der Dinge“ mit dem Schutz der eigenen Daten überfordert sein
  • Die DSGVO steht für eine überholte Datenphilosophie


Köln, 24 Mai 2018 – Scharfe Kritik an der neuen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) der EU, die am 25. Mai 2018 in Kraft tritt, übt der Kölner Digitalexperte und Neudenker Karl-Heinz Land. Was als Schutzschild gegen „Datenkraken“ wie Facebook, Twitter oder Google gedacht war, treffe jetzt vor allem kleine und mittelständische Unternehmen und stehe für ein veraltetes Verständnis von Kundendaten.

„Hunderttausende KMU verlieren einen Großteil ihrer bereits getätigten Investitionen in Kundendaten und Direktmarketing. Die DSGVO führt zu einer kalten Enteignung“, kommentiert Land die verschärften Datenschutzregeln. Der Grund: Die DSGVO verlangt auch für bereits erhobene Daten ein doppeltes Opt-in der Kunden, damit Unternehmen ihre persönlichen Daten weiter verarbeiten und für Marketingzwecke nutzen dürfen. So gut wie alle Unternehmen mailen deshalb in diesen Tagen ihre Kunden an, um diese Einwilligung zu bekommen. Laut Land ist es jedoch absehbar, dass nur ein Bruchteil der Kunden dieser Bitte nachkommt. Die Adressbestände vieler Unternehmen, so erwartet Land, dürften auf ein Zehntel des ursprünglichen Umfangs schrumpfen. Die vorgesehene Strafe bei Verstößen – bis zu vier Prozent des Jahresumsatzes – treffe KMU besonders hart und könne ihre Existenz bedrohen. Großkonzerne mit Umsätzen in Milliardenhöhe könnten Strafzahlungen leichter verschmerzen, da sie auf 20 Millionen Euro gedeckelt werden.

Datensouveränität mit Blockchain und KI

Die DSGVO schädigt die Unternehmen und steht laut Land auch für eine verfehlte, noch den Geist des 20. Jahrhunderts atmende Datenphilosophie:

„Wir erleben live, wie mit dem ,Internet der Dinge‘ eine neue Infrastruktur des Wohlstands entsteht. Die Zukunft gehört den digitalen Geschäftsmodellen, automatisierten Prozessen und datenbasierten Services in jedem Bereich des Lebens. Die Menschen werden schon bald überfordert sein, ihre Daten im Sinne der DSVGO zu schützen.“

Vielmehr bedürfe es einer Gesetzgebung, die die Bürger befähigt, ihre Daten für sich produktiv und souverän einzusetzen. Dieses Ziel sei ohne digitale Technologie aber nicht zu erreichen:

„Kein Mensch wird in der digitalisierten Welt den Überblick über seine Datenverbote und -freigaben behalten können. Wir brauchen dafür innovative Lösungen, zum Beispiel auf Basis der Blockchain, die als Protokoll des Vertrauens für Verlässlichkeit und Sicherheit im Internet der Dinge sorgen wird.“

Land erwartet zudem, dass die Verbraucher mittelfristig digitale, mit Künstlicher Intelligenz (KI) ausgestattete Assistenten einsetzen können, um ihre Datenrechte immer wieder neu mit den Unternehmen auszuhandeln:

„Diese KI-Assistenten prüfen und überwachen in Echtzeit, ob Unternehmen die Daten im Sinne des Kunden einsetzen. Sie entziehen und gewähren Nutzungsrechte in Sekundenbruchteilen. Außerdem setzen die persönlichen KIs Preise für die Daten fest. Wer sagt denn, dass nur Unternehmen mit Nutzerdaten Geld verdienen dürfen? Auch die Nutzer dürfen werthaltigen Daten ein Preisschild umhängen.“

In der neuen DSGVO komme jedoch nicht der Wille zur Innovation zum Ausdruck, sondern eine zögerliche und defensive Digitalpolitik, die dem Tempo, der Bedeutung und der Tiefe der digitalen Transformation nicht gerecht werde.

Über Karl-Heinz Land

Karl-Heinz Land (56) ist Insider der digitalen Transformation. Seit über 35 Jahren erlebt und gestaltet er Digitalisierungsprozesse, unter anderem in Führungspositionen bei international operierenden Unternehmen wie Oracle, BusinessObjects (SAP) und Microstrategy. Mit neuland hat er 2014 eine Digital- und Strategieberatung ins Leben gerufen, die laut Ranking der Zeitschrift „brandeins“ seit Jahren zu den besten Deutschlands zählt. Als Serienunternehmer und Investor setzt er auf innovative Technologien wie die Blockchain und das Internet der Dinge. Das World Economic Forum (WEF) und das „Time Magazine“ zeichneten Land bereits 2006 mit dem „Technology Pioneer Award“ aus. Land hat als Co-Autor Managementbücher zu den Themen „Digitaler Darwinismus”, „Dematerialisierung“ und „Digital Branding“ veröffentlicht. Mit dem für Juli 2018 angekündigten Buch „Erde 5.0 – Die Zukunft provozieren“ wendet er sich an die breite Öffentlichkeit und zeigt auf, wie die Digitalisierung und technologischer Fortschritt Menschheitsprobleme wie Hunger, Armut, Ressourcenverschwendung und Klimawandel lösen hilft.

Kommentare (1)

    Normalerweise lobt man ja den Autor erstmal bevor man Kritik anbringt. Hier fällt mir allerdings nur ein, dass ich normalerweise deutlich fundiertere Aussagen von ihnen gewohnt bin.
    Leider sind diese Aussagen genauso populistisch wie sie falsch sind.
    1. Ein erneutes Double Opt-in mussten nur die einholen, bei denen diese bisher nicht nachweisbar vorlag. Das heisst auch, dass man eben nicht die ganze Mailingliste anschreiben muss, sondern eben nur die, bei denen genau das zutraf. Allerdings ist es doch so, dass dieses bisher sowieso schon immer verlangt wurde, also nicht neu ist durch die DSGVO. Will heissen, wenn ich mir jetzt die Zustimmung einen Tag vor Auslauf der Übergangsfrist einhole, habe ich bisher etwas gemacht, was auch schon nicht der Rechtslage entsprach.
    Wir haben bei keiner Mailingliste bei der es notwendig war dieses nach zu holen weniger als 20% derjenigen verloren, die bisher kein Double Opt-in hatten. Allerdings, weis jeder der Emailmarketing betreibt, dass das wichtigste hierbei ist, zu segmentieren und zu löschen. Will heissen: Karteileichen kosten Geld, die möchte ich sowieso nicht in meiner Emailliste haben. Wir löschen regelmäßig Kontakte bei denen keine Conversion zu erwarten ist. Diese zu finden ist die Kunst des Emailmarketings.
    2. Es geht genau nicht darum, dass der user alle seine Daten kontrollieren muss sondern darum, dass ich als Kunde mich darauf verlassen kann, dass derjenige dem ich sie geben wirklich sorgsam damit umgeht. Eben weil ich garnicht mehr kontrollieren kann, wer welche Daten genau von mir hat. Die Auskunftspflicht ist ein Recht, das jedem Bürger zustehen sollte, auch jenseits der DSGVO. Jeder Handwerker der mir einen Tresor installiert hat Tresorart und Adresse von mir, jeder Elektriker der mein Netzwerk pflegt Emailadresse und Firewall Daten etc. Wenn ich mich hier nicht darauf verlassen kann, dass mit meinen Daten in allerhöchster Weise sensibel umgegangen wird, wie soll ich diesem KMU vertrauen und ihn wieder beauftragen.
    Statt solcher hetze gegen die DSGVO wäre es empfehlenswert, daraus einen Wettbewerbsvorteil zu erarbeiten. Ein neues Vertrauensverhältnis zwischen KMU und Kunde oder sonst irgendwas. Aber ein schimpfen und sich dagegenstellen wird jedem Unternehmen mittelfristig schaden. Da die DSGVO auch schon seit zwei Jahren in Kraft ist und eben nur die Übergangsfrist abgelaufen ist, gibt es mittlerweile Unternehmen, die 24 Monate Vorsprung haben, eben weil sie sich schon länger mit diesen neuen Gegebenheiten beschäftigen und sie längst integriert haben. jeder der das jetzt noch nicht getan hat, aht also bereits einen Rückstand von 24 Monaten gegenüber seiner Mittbewerber.
    So, dass musste dazu einfach mal raus, da es mich wirklich ärgert wie man gerade überall versucht den Schutz der eigenen Daten schlecht zu reden.

    - Jan Kutschera - 28.05.2018 10:01 CEST

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