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​Keine KI? Keine Kundenbeziehung!

Blog-Eintrag   •   Jun 08, 2018 09:49 CEST

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Mit der Künstlichen Intelligenz verbinden sich große Erwartungen. Durch den frühzeitigen und konsequenten Einsatz von intelligenten Robotern und selbstlernenden Computern kann das Bruttoinlandsprodukt um bis zu vier Prozent oder umgerechnet 160 Milliarden Euro gesteigert werden. Zu diesem Ergebnis kommt die Unternehmensberatung McKinsey. Angesichts solch optimistischer Prognosen ist es kein Wunder, dass in der Öffentlichkeit und in Unternehmerkreisen intensiv über Chancen und Gefahren der Künstlichen Intelligenz diskutiert wird. Viel Zeit bleibt allerdings nicht, um die Themen zu klären.

Von Karl-Heinz Land

Entscheider müssen sich der KI mit einem neuen Mindset nähern. Ihnen stellt sich nicht die Frage, welche Aufgaben die KI jetzt übernehmen kann. Vielmehr müssen sie sich vor Augen führen, wie sich die Technologie und die Kommunikation in den kommenden Jahren entwickeln werden und welche Anforderungen dann bedient werden müssen. Gerade bei Zukunftsthemen wie Künstlicher Intelligenz gilt es, vom gewohnten linearen Denken auf exponentielles Denken umzustellen. Die Unternehmen müssen eine große, kompetente Vorstellung entwickeln, was angesichts der rasanten Weiterentwicklung der IT passieren kann. Ich bin mir sicher: „KI for everything“ avanciert zum neuen Paradigma. KI wird in jeder Maschine, in jedem Produkt und in jedem Prozess stecken.

KI erfordert KI

Als Anwendungen kommen Industrieunternehmen oft die smarte Fabrik oder Services wie „Predictive Maintenance“ in den Sinn. Schließlich kann KI die Daten von Maschinen und Anlagen systematisch nach auffälligen, von Unheil kündigenden Mustern durchsuchen. Aber die Auswirkungen der KI reichen noch weiter. Ohne KI werden Unternehmen überhaupt nicht mehr in der Lage sein, tragfähige Kundenbeziehungen aufzubauen.

Angebot und Nachfrage, Konditionen und Leistungen werden in naher Zukunft von automatisierten Systemen ausgehandelt, in manchen Fällen innerhalb von Millisekunden. Unternehmen müssen in solchen Strukturen mühelos mitspielen können, sonst haben sie keine Chance. Der Grund: Intelligente Systeme wollen nur mit intelligenten Systemen zusammenarbeiten. Für den Maschinen- und Anlagenbau ergibt sich die darüber hinaus Notwendigkeit, dass er seine Produkte anschlussfähig und adaptiv gestalten muss. Sie müssen sich in die vielseitigen, fein gesponnenen Netze der Zukunft automatisch einfügen, Zugang finden an die Datenströme im Internet der Dinge und ohne besondere Eingriffe ihren Wertbeitrag in diesen Systemverbünden leisten.

Yield-Management in Echtzeit

Schon heute stellt es für manche Unternehmen eine besondere Herausforderung dar, ihre Rendite zu sichern. Viele Branchen haben mit erodierenden Margen und Preisen zu kämpfen. Selbst Hersteller von hochwertigen, margenträchtigen Maschinen sind vor diesem Trend nicht gefeit und werden zumindest in Teilen ihres Geschäfts unter Druck geraten. Der Grund: In einer Wirtschaft, die Werte zunehmend aus Software und Services schöpft, tendieren die Grenzkosten gegen null. In der Wirtschaft 4.0 mit ihren vollautomatisierten Prozessen und der Hypervernetzung im Internet der Dinge springen die sinkenden Grenzkosten auch auf die „Hardware“ über. Viele Branchen setzen deshalb auf ein dynamisches Preiswesen. Das Pricing von Flugtickets erfolgt bereits individuell, abhängig von Zeitpunkt der Buchung, von der Auslastung des Flugs sowie vom stetigen Wechselspiel von Angebot und Nachfrage. Solch ausgeklügelte Systeme benötigen eine leistungsfähige KI, um Erträge von Transaktion zu Transaktion zu optimieren („Yield-Management“).

Diese Beispiele zeigen: Künstliche Intelligenz wird in Zukunft nicht punktuell in den Unternehmen eingesetzt, sondern durchzieht alle Prozesse. KI ist ein Strategiethema.

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