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Bitcoin fehlt der Brennwert

Blog-Eintrag   •   Dez 21, 2017 11:00 CET

Gefährliche Blase: Bitcoin (c) Fotolia/ Thaut Images

Der Kurs der Kryptowährung Bitcoin ist in 2017 geradezu explodiert. In Kooperation mit der Unternehmensberatung Horn & Company wurden über den "Handelsblatt Morning Briefing Monitor" mehr als 3700 Entscheider in der Wirtschaft befragt, wie sie die Kursentwicklung für Bitcoins einschätzen. Die Ergebnisse spiegeln große Erwartungen und noch größere Skepsis. Die Mehrheit der Befragten (58,8 Prozent) sieht keinen Boom, sondern eine "gefährliche Blase".

- Hinweis für Redaktionen: Der Text ist (auch in Auszügen) frei zur Veröffentlichung -

Von Karl-Heinz Land

Wennn es derzeit einen Hype an den Finanzmärkten gibt, dann ist es Bitcoin. Die digitale Währung, die 2008 im Jahr des Finanzcrashs von Unbekannten erfunden wurde, beflügelt die Phantasien und Träume von Anlegern und Investoren weltweit. Spekulative Bitcoin-Futures, bei denen nur auf den künftigen Kurs der Währung gewettet, aber nicht eine „Münze“ gekauft wird, wurden von der U.S. Commodity Futures Trading Commission CFTC mittlerweile genehmigt. Fonds werden aufgelegt. Der Bitcoin-Kurs geht 2017 mit einer Wachstumsrate von 2000 Prozent durch die Decke. In der Spitze erreicht er im Dezember 20.000 Dollar. Der Goldrausch ist in Form von Bitcoins zurück an den Märkten. In zinsschwachen Zeiten wie diesen zieht Bitcoin mit dem Versprechen auf hohe Renditen die Glücksritter offenbar magisch an. Die ersten Anleger sind durch Bitcoins Milliardäre geworden. 

Die Mehrheit sieht eine Blase

Kein Wunder, dass die Bitcoin-Umfrage über den Handelsblatt-Monitor auch die Hoffnungen widerspiegelt, die mit dem Höhenflug der Kryptowährung verknüpft sind. Immerhin 19,2 Prozent der über 3700 Befragten investieren nach eigenem Bekunden bereits in Bitcoin. Weitere 20,6 Prozent ziehen es in Erwägung. Die Teilnehmer halten Bitcoin vor allem als kurzfristige Geldanlage geeignet (48,9 Prozent). Größere Optimisten sehen in Bitcoin sogar Chancen für langfristige Investitionen (15,4 Prozent) oder eine Möglichkeit, sich gegen künftige Banken- und Finanzkrisen abzusichern. Als sei Bitcoin das neue Gold! Diese Zuversicht können wir nicht einmal im Ansatz teilen. Wir schätzen das Bitcoin-Hoch genauso ein wie die Mehrheit der Befragten (58,8 Prozent): Es handelt sich um eine gefährliche Blase. Für den großen Knall spricht weitaus mehr als für einen nachhaltigen Erfolg.

Bitcoin hat einfach keinen nachhaltigen Brennwert.

Bitcoin ist wie schnell wachsendes Fichtenholz, das im Kamin schnell wieder verbrenne. Nicht zu vergleichen mit einer über 100 Jahre alten, langsam gewachsenen Eiche, die voller Energie steckt und auch noch eine Nacht später im Kamin nachglüht. Bitcoin fehlt die Substanz fehlt, der Charakter einer echten Währung, die weit verbreitet ist und mit der die Menschen wirklich bezahlen können. Es existieren zwar einige Online-Angebote sowie auch Restaurants und Geschäfte, die Bitcoins akzeptieren. Aber mit einer ubiquitären Währung sei die Verbreitung von Bitcoins nicht zu vergleichen. Bitcoin nur für extrem risikofreudige Anleger geeignet - eine spannende Wette, vergleichbar mit einer hoch volatilen Aktie, aber noch lange keine echte Währung. Bei einer Währung sucht man Stabilität. Davon kann bei Bitcoin jedoch keine Rede sein.

Die Kursrallye dürfte außerdem längst dazu geführt haben, dass kaum jemand noch mit Bitcoins für Produkte oder Services bezahlt – dafür ist jetzt jede Coin viel zu wertvoll. Wenn jemand Anfang des Jahres ein Bitcoin, zum Kurs von etwa 1000 Dollar, in einen Kühlschrank investiert hätte, wird er sich schwarzärgern. Aus heutiger Sicht hätte er 20.000 Dollar investiert. Dafür wäre auch eine Designerküche drin gewesen. Bitcoin dreht sich nur noch im Anlagekarussell.

Die Entwicklung um Bitcoin sehe ich auch noch aus weiteren Gründen. Das Transaktionsvolumen ist mit 300.000 pro Tag gering; auf diesen Wert kommen die großen Kreditkarten-Systeme in weniger als einer Minute. Zudem basiert Bitcoin auf einem System aus Rechenzentren, computergeschütztem Mining und der Bitcoin-Blockhain. Damit gehen noch zwei Nachteile einher. Erstens ist das Bitcoin-Netz ein Energiefresser. Hochrechnungen gehen davon aus, dass die Technologie hinter der digitalen Währung Bitcoins in diesem Jahr 35 Terawattstunden (Quelle: Digiconomist) beträgt. Das ist mehr als ein Zehntel des Stromverbrauchs in ganz Großbritannien. Zweitens gilt die Bitcoin-Blockchain noch als zu langsam; es gibt einen Zeitverzug bei Transaktionen.

Kryptowährungen setzen sich durch

Dennoch halte ich Kryptowährungen wie Bitcoin, IOTA, LTC oder Ethereum für zukunftsweisend. Sie spiegeln den Wunsch institutioneller wie privater Marktteilnehmer, sich von den regulierten Bankenmärkten abzusetzen. Das Geld wird digital, daran gibt es keine Zweifel. Doch welche der digitalen Währungen das Rennen machen wird, ist trotz des aktuellen Hypes um Bitcoin noch offen. Dass sich die Kryptowährungen und die dahinterliegende Blockchain-Technologie mittelfristig durchsetzen werden, daran hege ich keinen Zweifel. Sie bringen das Bestreben der Menschen zum Ausdruck, ihr Geld und ihre Daten autonom zu verwalten. Die mit Bitcoin verbundene Innovation, Transaktionen in Blöcke hintereinander zu schreiben und auf vielen Rechnern dezentral zu speichern ist bahnbrechend. Warum? Weil die so entstehenden Blockchains fast fälschungssicher sind. Weil alle Schritte dokumentiert werden. Weil die Blockchain Geschäfte „Peer-to-Peer“ erlaubt, von einer Person zur anderen, ohne Mittelsmänner. Weil in manchen Blockchains smarte Verträge hinterlegt werden können, die zum Beispiel festlegen, wann und wie eine Zahlung verwendet werden darf. Weil zwischen den Vertragspartnern Transparenz herrscht.

Die digital-vernetzte Welt wird von diesem „Protokoll des Vertrauens“ immens profitieren; die Blockchain ist die wahre Rendite des Projekts Bitcoin. Vermutlich wird damit sogar das Ende unseres etablierten Finanzmarkt- und Wirtschaftssystems eingeläutet. Ganz sicher aber ist die Dezentralisierung mittels der Blockchain die Antwort auf viele Fragen der Globalisierung und auf verlorenes Vertrauen der Menschen in die Wirtschaft 1.0 mit „Mittelsmännern“ wie Banken, Zentralbanken, Staat und Konzernen, die ihr Geld und ihr Daten verwalten.

Wie auch immer es mit Bitcoin weitergeht, mit der Blockchain erfinden sich das Internet und die Wirtschaft gerade neu.

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